„Das hat die Mannschaft unheimlich gepusht“

RIVA-Achter  15. März 2014  

Marbach – Bereits vor einem Jahr erhielt der Marbacher Ruderverein von Hermann Püttmer und seiner Firma Riva in Backnang eine Spende in Höhe von 20 000 Euro. Jetzt bekommt der Verein von Püttmer nochmals 40 000 Euro. MRV-Vorstand Rolf-Jürgen Fritz und Trainerin Heike Breitenbücher erklären, was mit diesem Geld geschehen soll.

Vergangenes Jahr 20 000 Euro, jetzt das Doppelte – wie kommt es zu den Spenden von Herrn Püttmer an den MRV?

Fritz: Das ist auf der persönlichen Schiene von unserem ehemaligen Vorsitzenden Dieter Offterdinger entstanden. Er ist ein Schulkamerad von Herrn Püttmers Frau.
Breitenbücher: Herr Püttmer hat ja schon mehrere Vereine und Projekte in Marbach mit Spenden unterstützt, so zum Beispiel den Verein Südlich vom Ochsen oder den Quadranten. Ihm scheinen einfach Leistung und Engagement von jungen Menschen am Herzen zu liegen.

Vergangenes Jahr ging das Geld zum einen als Preisgeld in die Regatta, um das Teilnehmerfeld aufzuwerten. Zum anderen floss es in den allgemeinen Vereinsbetrieb und den Umbau des Bootshauses. Was haben Sie dieses Jahr mit der Spende vor.

Fritz: Ein Teil geht wieder als Preisgeld in die Regatta. Damit fördert man ja auch die Identifikation der Ruderer mit dem eigenen Verein. Denn solche Preisgelder kassieren im Rudern nicht die Athleten, das Geld geht immer an den jeweiligen Verein.
Dann geht ein Teil in Unterhalt und Reparaturen unserer Boote. Der Großteil des Geldes fließt aber in den Aufbau des Marbacher Achters und der Jugendbetreuung. Allein die Kosten für Trainer, Fahrt- und Transportkosten sind schon sehr hoch.

Breitenbücher: Um einen guten Achter zu bilden, braucht man viele Blöcke. Das beginnt jetzt am 30. März in Erlangen, da starten die alle in Zweier-Pärchen. Die Leistungstests im Achter erfolgen immer im Zweier ohne, das ist die schwierigste Bootsklasse überhaupt, weil man einfach sehr gut harmonieren muss. Und über diese Leistungstests stellen wir dann die Besetzung für den Achter zusammen. Das macht der Deutschland-Achter auch nicht anders. Ein klein wenig Konkurrenzkampf wollen wir schon haben. Wir haben jetzt 13 Ruderer im Alter von 17 bis 21 Jahren, die den Marbacher Achter bilden sollen. Und dann kommen eben Training und die Fahrten zu den Regatten.

Welche Starts sind dann nach den Leistungstests für den Achter geplant?

Breitenbücher: Wir wollen bei den regionalen Regatten in Mannheim und Heidelberg im Frühjahr starten. Im Frühsommer folgt die nationale Regatta in Sarnen in der Schweiz – das wird uns zeigen, wo wir stehen und wo die Defizite und Herausforderungen liegen. Die Konkurrenz in der Schweiz ist respektabel und wird den deutschen Süd-Team Achter sowie weitere starke Achter aus Italien, der Schweiz, Österreich und eventuell Frankreich beinhalten. Hier ist das Ziel, im Feld mithalten zu können. Die Landesmeisterschaften werden im Juli anstehen. Bei den Herbstregatten wird die Heimregatta Ehrensache sein. Wenn wir das Gefühl haben, dass wir die Saison gut gemeistert haben, werden wir uns Gedanken machen, ob wir an den Deutschen Sprintmeisterschaften teilnehmen.
Im November steht dann noch der Baselhead auf dem Programm – ein Langstreckenrennen über 6,4 Kilometer auf dem Rhein mitten durch die Altstadtkulisse von Basel. 80 Achter starten bei diesem Wettbewerb und die Atmosphäre ist gigantisch.
All das kostet Geld – Startgelder, Reisekosten, Material und Training – das Besondere am Marbacher Ruderverein ist, dass jeder nach Leistung am jeweiligen Wettbewerb teilnehmen darf – nicht der Geldbeutel der Eltern öffnet die Tür, sondern allein die Leistungsbereitschaft und das Leistungsvermögen. Wenn der Verein meldet, übernimmt er auch die Kosten.
Muss der Marbacher Achter dann mit Werbung für die Firma Riva fahren?
Breitenbücher: Er muss nicht, Herr Püttmer hat hier keinerlei Bedingung gestellt. Aber die Jungs wollen das gerne. Es gibt zum Beispiel den Baden-Achter Karlsruhe – und unsere Jungs sagen: „Wir sind der Riva-Achter Marbach!“ Das zeigt in meinen Augen, welche Bedeutung das alles hat. Es hat die Mannschaft unheimlich gepusht, dass da jemand ist, der an sie glaubt und dieses Geld für sie in die Hand nimmt.
Die Mannschaft hatte eine eigene Powerpoint-Präsentation erstellt, die Rolf-Jürgen Fritz dann Herrn Püttmer zeigen konnte. Darin haben die Jungs sich vorgestellt, ihre Erfolge und Ziele aufgelistet und quasi gezeigt: „Das ist das Team, das bekommen Sie dafür!“

Sie haben jetzt die Pläne für 2014 aufgezählt – wie sieht es darüber hinaus aus? Sie wissen ja nicht, ob dann erneut solch eine Spende kommt.

Breitenbücher: Wir werden das Geld sorgfältig aufbrauchen. Das reicht schon noch eine Weile über 2014 hinaus.

Fritz: Wobei Herr Püttmer sich auch dahingehend geäußert hat, dass er auch künftig bereit wäre, uns zu unterstützen, wenn wir weiterhin eine so gute Arbeit leisten.

Gibt es denn nur einen männlichen Achter in Marbach?

Breitenbücher: Nein, die Mädchen – da haben wir derzeit ein Team von zehn Ruderinnen – sagen natürlich mit Recht: „Warum nur die Jungs?!“ Die Mädchenmannschaft ist im Schnitt etwas jünger, aber da sind immerhin zwei dabei, die schon Deutscher Vizemeister geworden sind. Deshalb wollen wir auch einen weiblichen U19-Achter aufbauen, der zum Beispiel auch beim Baselhead an den Start gehen soll.

Fritz: Im Mädchenbereich sind Achter-Teams noch etwas dünner gesät. Da haben viele Vereine einfach nicht die Masse, um ein solches Boot stellen zu können. Das ist dann auch ein Punkt, an dem Herr Püttmer gesehen hat, dass der Marbacher Ruderverein in den vergangenen Jahren eine sehr gute Jugendarbeit macht. Heike Breitenbücher hat vor fünf Jahren angefangen, im Trainerbereich mitzuarbeiten. Ein Jahr zuvor hatten wir gerade einmal fünf Jugendliche, derzeit sind es rund 40.

Inwiefern spielt hier die Kooperation mit dem Friedrich-Schiller-Gymnasium eine Rolle?

Breitenbücher: Es gibt eigentlich in jeder Sportart immer Höhen und Tiefen. Und wir waren damals in einer tiefen Delle drin. Das Schulrudern zwar schon existent, aber wir haben es irgendwie nicht geschafft, die Jugendlichen aus der Schule in den Verein rüberzuholen. Da ist auch der Achter ein Thema: Der FSG-Achter qualifiziert sich ja eigentlich jedes Jahr für das Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia. Wenn die aber aus dem Alter raus sind, brauchen sie etwas zum Anknüpfen. Wir brauchen also eine Art „Einladung“, dass diejenigen, die beim Bundesfinale in Berlin waren, bei uns im Verein weitermachen und vielleicht nach Basel fahren können. Da hatten wir lange nicht die Menge an Leuten. Jetzt haben wir sie und nutzen das auch.

Sie haben erzählt, dass es beim MRV derzeit rund 40 aktive Jugendruderer gibt, aber insgesamt hat der Verein ja rund 300 Mitglieder, von denen etwa die Hälfte noch mehr oder weniger aktiv im Boot sitzt. Ist es im Verein unumstritten, diese Spende zum größten Teil in den Leistungssport zu stecken? Immerhin haben und hatten Sie ja umfangreiche Baumaßnahmen am Bootshaus.

Breitenbücher: Es gibt sicherlich unterschiedliche Meinungen. Aber aus meiner Sicht als Trainerin hatte ich mit Blick auf den Vorstand immer das Gefühl, dass alle dahinterstehen. Man muss auch mal in andere Vereine schauen: Am Hochrhein gibt es einen Ruderverein, die haben irgendwann mal festgestellt, dass sie ein Durchschnittsalter von 60 Jahren haben. Sie haben keine Jugend mehr, deswegen brauchen sie auch keinen Trainer mehr. Aber wenn man keinen Trainer hat, kommen auch keine neuen Jugendlichen. Und dann braucht man eigentlich auch kein Bootshaus mehr.

Fritz: Jugendarbeit ist sehr aufwendig, man muss da viel investieren. Das muss man dem einen oder anderen manchmal erst vermitteln. Aber ich habe derzeit das Gefühl, dass die überwältigende Mehrheit hinter unserem Konzept steht.

Breitenbücher: Mittlerweile sind wir so weit, dass die älteren Jugendlichen bereits in der Nachwuchsarbeit mitmachen. Ich erinnere mich an einen Nachmittag, als ein paar Jugendliche im Kraftraum in der Ecke standen und tuschelten. Zehn Minuten später kamen sie zu mir und sagten, dass sie jetzt das Kindertraining übernehmen würden. Das war vor eineinhalb Jahren – seitdem ist kein einziger Trainingstermin ausgefallen. Wir haben mehrere Jugendliche, die derzeit in der Trainerausbildung sind oder bereits eine Lizenz haben.
Und demnächst haben Sie auch einen FSJler.

Fritz: Der beginnt am 1. September und kommt aus dem Verein. Er rudert bereits seit seinem zehnten Lebensjahr, hat einen C-Trainerschein und eine fast zweijährige Erfahrung im Kindertraining. Für uns ein Glücksfall, da er die Gegebenheiten vor Ort kennt und die Kooperation zur Schule vertiefen soll. Zudem kann er sich um Reparaturen kümmern, ebenso wie um Planungen für Camps oder Regatta-Ausfahrten.

Zum Abschluss noch einmal zurück zum Achter: Wie schaut Ihre Vision aus? Wo soll es mit dem Marbacher Achter hingehen?

Breitenbücher: Der erwähnte Karlsruher Achter ist in Baden-Württemberg derzeit das Maß der Dinge. Da fährt übrigens auch ein Marbacher mit. Die suchen sich die Studenten raus, die rudern können und in Karlsruhe studieren. Dann gibt es Rheinfelden, da sitzt zum Beispiel ein Weltmeister mit drin. Und da möchten wir mitspielen. Ob das dieses Jahr schon klappt, das lassen wir mal dahingestellt. Aber so in drei Jahren wollen wir da mitmischen können. Die Teilnahme an den Deutschen Sprintmeisterschaften wäre natürlich ein Highlight und dann eben das Baselhead jedes Jahr. Keiner wird später seinen Enkeln voller Stolz erzählen, dass er mal auf einem Ruderergometer gesessen ist. Aber jeder, der mal im Achter beim Baselhead gestartet ist, wird später davon erzählen. Das verstehen wir unter Aufbau einer Tradition.

Quelle: Marbacher Zeitung vom 15. März 2014, online hier