Große Runde um Potsdam: Wanderfahrt auf Havel und Wannsee

Wanderrudern  27. Juni 2015  

Am Mittwoch, 03. Juni, dem Tag vor Fronleichnam, brachen wir (Ingrid Woll, Regina Otlinghaus, Frank Hofmann, Jürgen Stalbohm und Walter Otlinghaus) gegen 14:00 Uhr mit einem geräumigen Chrysler Voyager-Bus zu unserer viertägigen Wanderruderfahrt auf. Das befürchtete Verkehrschaos blieb aus, und so erreichten wir unser Ziel, die Jugendherberge am Wannsee, planmäßig Mittwochabend gegen 20:00 Uhr. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, machten wir zum Abendessen einen 20-minütigen Spaziergang zum Biergarten „Loretta“.

Donnerstag, 04. Juni (Fronleichnam), Wannsee – Ketzin (38 km)

Wir erschienen überpünktlich am Potsdamer Ruderclub Germania, wo uns ein sehr freundlicher Jürgen „Packer“ Langer unser Boot, die „Bernhard Tietz“ übergab, ein Vierer-D-Boot mit Steuerplatz. Am Vortag gab es wohl noch stürmische 4-5 Windstärken mit entsprechendem Wellengang. Als wir aber gegen 10:30 Uhr ablegten, war es fast windstill bei strahlendem Sonnenschein, wenigen Wölkchen und angenehmen 25 Grad.

Unser erster Rudertag führte uns über den Großen Wannsee vorbei an der Pfaueninsel in den Jungfernsee unter der Glienicker Brücke hindurch in den Tiefen See und zum Templiner See zur Mittagspause bei der Potsdamer Rudergesellschaft, einem Ruderverein, der sich in einen Breitensport- und einen Leistungssportverein gespalten hat, worüber im Nachhinein wohl alle sehr unglücklich sind. Weiter ging’s zum Petzinsee und weiter durch den malerischen Wentowgraben, eine verwunschene Engstelle, in den Schwielowsee, dann weiter die Havel entlang zur Inselstadt Werder. Dort kurzer Halt mit Spaziergang und Kaffee, bzw. Apfelschorle. Von dort aus über den großen und kleinen Zernsee immer weiter auf der Havel bis zum Tagesziel, dem Campingplatz Ketzin.

Die Strecke war sehr abwechslungsreich, bewaldete, mit Villen bebaute Ufer, Inseln, Parks und Brücken. Weil Fronleichnam in Berlin kein Feiertag ist, hielt sich der Verkehr auf dem Wasser in angenehmen Grenzen. Kurz: Schöner geht’s nicht.

Von Ketzin ging’s mit Bus und Bahn zurück nach Potsdam zur Schiffbauergasse. Dort, noch in Ruderkleidung, auf der Terrasse mit Blick aufs Wasser italienisch zu Abend gegessen und anschließend mit der Bahn zurück zur Herberge.

Freitag, 05. Juni, Ketzin – Heiligensee (38 km)

Am zweiten Rudertag war es fast völlig windstill, sehr sonnig und mit Temperaturen um 25-30 Grad fast ein bisschen zu warm. Wir ruderten den Havelkanal von Ketzin bis Hennigsdorf. Dieser Abschnitt war ein schönes Kontrastprogramm zum Vortag: Natur pur. Wir waren die ganze Strecke fast völlig allein unterwegs. Außer unserem Stöhnen und Ingrids Stimme hörten wir nur die Vögel singen.

Von Hennigsdorf wieder mit Bus und Bahn zurück. Jürgen und Frank besuchten Bekannte, der Rest ging zum Abendessen zum Restaurant „Seehase“: Preiswertes, mittelmäßiges Essen mit tollem Blick auf den Wannsee.

Samstag, 06. Juni, Heiligensee – Wannsee (29 km)

Erneut ein perfekter Tag zum Rudern. Fast windstill bei herrlichem Sonnenschein und Temperaturen um 25 Grad. An unserem dritten und letzten gemeinsamen Rudertag ging es zurück über den Nieder-Neuendorfer See über die Havel, durch Klein-Venedig (bei Spandau), wieder zurück in den Wannsee. Spätestens jetzt hatten alle Berliner ihre Boote ausgepackt und alles was Schwimmen kann war auf dem Wasser. Die Steuerleute waren entsprechend gefordert. Aber mit Ingrid hatten wir die Fachfrau schlechthin an Bord. Schließlich hat sie fast alle nur denkbaren Motorboot- und Segelscheine und darf bis auf Flugzeugträger fast alle Schiffe führen (theoretisch). So vermieden wir souverän ein turbulentes Wasserskigebiet und umgingen nur Knapp der Teilnahme an einer Segelregatta. Genauso souverän meisterte Frank als Steuermann unsere Durchfahrt durch Klein-Venedig, was eher an den Spreewald erinnert als an Venedig. Laut Frank viel zu früh ruderten wir an unserer Jugendherberge vorbei, wo Walter an einem benachbarten Bootssteg ausstieg, um das Auto zum Ruderverein Germania zu fahren. Der Rest der Mannschaft ruderte die restlichen paar Kilometer mit Loch.

„Packer“ nahm uns und unser Boot wieder in Empfang. Nach dem Reinigen des Bootes ging es mit dem Auto zurück zur Herberge und zum gemeinsamen Abendessen in die Brauereigaststätte „Meierei“ (Potsdam), direkt neben Schloss Cecilienhof. Schöne Terrasse mit tollem Blick auf den Jungfernsee, sehr gutes erschwingliches Essen und preisgekröntes Bier. Äußerst empfehlenswert.

Auch für diesen Rudertag das Fazit: Schöner geht’s nicht.

Sonntag, 07. Juni, Tegel – Plötzensee – Tegel (26 km)

Das schöne Wetter will kein Ende nehmen. Jürgen und Frank sind zum Ruderclub Tegel, um dort mit Kristina noch ein bisschen zu rudern, Ingrid hat sich ein Fahrrad geliehen und das Liebermann-Haus besucht, Regina und Walter haben sich einen faulen Tag im Babelsberger Park gegönnt.

Am Abend gemeinsames Abendessen in den „Wannsee-Terrassen“. Die Lage auf einem Hügel am Wannsee ermöglicht einen unvergleichlich sensationellen Blick. Der Biergarten ist sehr schön, das Lokal daneben gibt sich elitär in Preis und Ausstattung, aber das Personal wird dem nicht gerecht. Nicht zu empfehlen.

Trotzdem wieder ein sehr schöner Tag.

Montag, 08. Juni

Pünktlich zur Heimreise stellte sich kühleres Wetter ein. In Erfurt haben wir Halt gemacht für eine Thüringer Bratwurst und einen Stadtrundgang. Danach staufrei nach Hause.

Walter Otlinghaus