Eine Berlinreise aus Sicht des Wanderruderers

Wanderrudern  13. Juli 2017  

Ich beschließe, mein Patenkind Helena in Hennigsdorf bei Berlin zu besuchen. Die Anreise erfolgt per Bahn über Göttingen und Wolfsburg. In der Nähe von Tangermünde überquert der ICE die Elbe und ich schaue zufällig aus dem Fenster. Genau hier bin ich doch vor ein paar Jahren mit dem Marbacher Ruderverein auf dem Weg nach Hamburg entlang gerudert! In Spandau steige ich in den Regionalzug um, nach kurzer Zeit kreuzt die Bahnlinie den Havelkanal. An der Schleuse Schönwalde sieht man die Angler stehen. Ich denke an den brütend heißen Tag vor drei Jahren, als wir diesen endlosen Kanal berudert haben.

Am nächsten Tag: Ein Ausflug ins Brandenburger Hinterland, genauer: zum Ziegeleipark Mildenberg. Das Gelände liegt direkt an der Havel, da An- und Abtransport von Ton, Kohle und Ziegeln ausschließlich auf dem Wasser erfolgten, und ist auf der Landkarte sofort zu erkennen: Die unzähligen Tonstiche (Tongruben) in unmittelbarer Nähe sind längst alle mit Wasser gefüllt und bilden eine faszinierende Seenlandschaft zu beiden Seiten des Flusses. In den Kohlebunkern im alten Hafen haben sich ein Gasthaus und eine Marina niedergelassen; wäre dies gar eine Möglichkeit, bei der nächsten Wanderfahrt zu übernachten?

Tags darauf, noch einmal eine Tour durchs Havelland. Ich stehe in Ribbek am berühmten Birnbaum und denke mit Schaudern an das Gedicht, das ich einst auswendig lernen musste, dabei lockt doch gar nicht weit entfernt Ketzin an der Havel und nur ein kleines bisschen weiter Werder mit der Regattastrecke, wo ich mir einst einbildete, einen neuen Streckenrekord aufstellen zu können und kläglich scheiterte.

Inzwischen halte ich es ohne Rudern nicht mehr aus: Ich lade mich selbst beim Ruderclub Oberhavel in Hennigsdorf zum Rudern ein. Eigentlich treffen sich die Wanderruderer hier nur Mittwochs, aber für mich macht man eine Ausnahme und so rudere ich bei strahlendem Sonnenschein über den Nieder-Neuendorfer See und die Havel nach Spandau und wieder zurück. Ein Traum! Gar kein Vergleich zum ewig braun-trüben Neckar in Marbach.

Abends sitze ich hinter dem Reichstag auf der Treppe und schaue mir über die Spree hinweg die Multimedia-Show an. Ab und an kommt noch ein spätes Ausflugsschiff vorbei. Schade, dass man durch’s Regierungsviertel nicht rudern darf. Aber die Hennigsdorfer Ruderer haben mir ein paar Tipps gegeben: Von Potsdam über den Wannsee und die Spree in den Landwehrkanal. Und dann vielleicht weiter zum Großen Müggelsee? Na ja, nächstes Jahr vielleicht…

Frank Hofmann