Sieben Bootstaufen beim Anrudern am MRV

Vereinsleben  4. Mai 2017  

Nachdem drei Tage zuvor Aprilschnee einen großen Teil von Deutschland nochmals dick eingedeckt hatte und die Temperaturen durch die Kellerdecke gestürzt waren, zeigte sich am Sonntag des Anruderns erst vorsichtig die Sonne, am Nachmittag pünktlich zu den Bootstaufen lachte sie dann vom Himmel. Grund dafür war sicherlich die Taufe von sieben Booten – eine Anzahl, die es in der Marbacher Vereinsgeschichte bis dato noch nie gegeben hatte.

Rund 80 Gäste waren zu der Veranstaltung an den Neckar gekommen, bei der die Boote ihre Namen bekommen sollten und mit dem Wunsch immer „eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“ zu haben in den Sportbetrieb und somit auf das Wasser übergeben wurden.

Der Marbacher Ruderverein von 1920 e.V. gehört mit seinen knapp 300 Mitgliedern zu den mittelgroßen Rudervereinen in Deutschland. Bei dieser Größe sind sieben Bootstaufen in einem Jahr eher ungewöhnlich. Bootskäufe sind dem Marbacher Ruderverein in der Regel nur durch Spenden und Zuwendungen von Freunden und Gönnern möglich, vor allem nach dem großen Umbau in den vergangenen drei Jahren.  Wie kam es nun zu dieser Häufung an neuen Ruderbooten?

Der Vorsitzende des Lions Club Bottwartal Sven Ettl berichtete über ein Erlebnis bei der Ruderregatta in Marbach im vergangenen Herbst, als er beim Tragen eines Kinderbootes aus Holz geholfen hatte. Während dieser Aktion hatte er erfahren, dass der Bootsbestand im Kinder- und Jugendbereich in Teilen den 30. Geburtstag schon hinter sich hatte. Kurz entschlossen stellte er die Jugendarbeit seinen Vorstandskollegen des Lions Club vor. Das erfreuliche Ergebnis war, dass 6000, — Euro für den Kauf eines gebrauchten Empacher Zweier gespendet wurden. Das Boot kann ab sofort unter dem Namen „Lion“ auf den verschiedenen Regatten am Start sowie im Juniorentraining gesehen werden.

Aus dem Spendentopf für den Junioren-Rennsport konnte bereits im vergangenen Jahr ein gebrauchter Einer, ebenfalls aus dem Hause Empacher, angeschafft werden. Das sehr hochwertige Boot mit Flügelausleger, das den Namen „Lyra“ trägt, steht im Junioren A Bereich zu Verfügung und wird hier im oberen Leistungsbereich eingesetzt.

Letztes Jahr gewann Antonia Wuerich mit ihrer Mannheimer Partnerin Hannah Rieder den Deutschen Meistertitel im leichten Doppelzweier der U17 Juniorinnen. Grund genug sie auch im Einer für Training und Wettkampf mit einem besseren Boot auszustatten. Sie kann nun in einem schwarzen Swift-Einer unter dem Namen „Black Pearl“ auf Titel-Eroberungsfahrt gehen. Dem Namen nach wünschen wir ihr auf allen Weltmeeren viel Erfolg.

Sehr wertvoll ist für den Marbacher Ruderverein die hervorragend funktionierende Kooperation mit dem Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach. Bei rund 2400 Schülern gibt es eine AG, die bei 60 Plätzen eine lange Warteliste nach sich zieht. Viele erfolgreiche Juniorinnen und Junioren des Vereins sind über die Schule zum Rennrudern gekommen und vor allem der Riemenbereich fährt bis Ende des Junior A Bereich zweigleisig. Holger Knauf, der nicht nur Ruderlehrer am FSG ist, sondern auch Verantwortlicher für das Schulrudern in Baden-Württemberg, trainiert die Kooperationsruderer an mehreren Terminen zusätzlich in der Woche. Hier kann ein hoher Umfang an Trainingsstunden auf hohem Niveau angeboten werden und vor allem ist die Durchlässigkeit von Schule in den Verein ein großes Plus für die Nachwuchsgewinnung.  Von der Schule wurde ein etwas breiterer Swift-Trainingseiner angeschafft, um hier die Ausbildung im Einer zu verbessern. Getauft wurde das Boot „USS Martini“, wobei der Name nicht an einen Flugzeugträger erinnern soll, sondern an „United States of Schiller“ – ein Schulprojekt, bei dem die Gelder für das neue Boot gesammelt wurden.

Auch der Breitensportbereich gewinnt in Marbach in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung, aber auch an Ruderern. Aus diesem Grund haben einige Ruderer zusammengelegt, um einen neuen Zweier zu kaufen, und so konnte am Sonntag ein weiterer Zweier getauft werden. Der WinTech Doppelzweier wurde auf den Namen „Happy our“ (kein Schreibfehler, sondern alle sind glücklich, dass er uns gehört) getauft und ging kurz darauf auch mit seinem schönen Blumenschmuck auf Wasser.

Privatboote sind in vielen Vereinen ein heiß diskutiertes Thema. Der Marbacher Ruderverein ist hier sicherlich keine Ausnahme. Privatboote dürfen nur nach Einzelfallentscheidung in den Hallen des Vereins gelagert werden. Bei den nachfolgend genannten und getauften Booten tat sich der Vorstand sehr leicht mit der Entscheidung. Der Einer „x-treme“ gehört schon dem Namen nach einem Mitglied, das nicht nur extrem viel im Verein ehrenamtlich leistet, das Mitglied ist auch extrem viel auf dem Wasser unterwegs, so dass sein bisher verwendetes Boot jetzt anderen Ruderern zu Verfügung steht. Eine weitere Grundbedingung wird ebenfalls erfüllt: das Boot würde auch bei Wettkämpfen der Jugend verwendet werden dürfen.

Das gleiche gilt für die „Superelfe“, ein nagelneuer Empacher Zweier, bei dem jedem Rennruderer das Herz höherschlägt. Die zwei Eigentümer des Bootes hatten bereits ihr voriges Boot zwei Ruderern im Landeskader zur Verfügung gestellt und damit den Leistungssport auf höherem Niveau unterstützt, was dem Verein zu diesem Zeitpunkt finanziell äußerst schwer gefallen wäre.

Der Vorsitzende Rolf Jürgen Fritz bedankte sich bei allen Freunden, Mäzenen, Spendern und der Schule für ihre Unterstützung. Ruderlehrer Holger Knauf und Vereinstrainerin Heike Breitenbücher schlossen sich dem Dank an – denn eine solche Bootstaufe zeigt auch die Wertschätzung, die das Rudern, auch in Form von Rennrudern und Schulrudern in Marbach genießt.