Nachhaltigkeit, die Wurzeln schlägt
Vereinsleben 7. Oktober 2026
Bei seiner jährlichen Nachhaltigkeitsaktion tauschte das WLSB-Team den Arbeitsplatz im SpOrt gegen Neckarufer, Ruderboot, Kanu und Spaten. 61 Mitarbeitende erlebten beim Marbacher Ruderverein und Kanu-Club Marbach, wie Umweltschutz, Sport und Vereinsentwicklung zusammengehören.
Nachhaltigkeit lässt sich in Strategien, Leitlinien und Konzepten beschreiben. Manchmal genügt aber auch eine Schaufel, um sichtbar zu machen, was damit gemeint ist. Gleich 61 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Württembergischen Landessportbunds (WLSB) griffen bei der diesjährigen Nachhaltigkeitsaktion des Verbands in Marbach am Neckar selbst zu Schaufel, Müllzange, Ruderblatt und Paddel.












Gastgeber der Aktion am 30. September waren der Marbacher Ruderverein von 1920 sowie der Kanu-Club Marbach. Nach der Ankunft der ersten Mitarbeitenden gegen 9.30 Uhr begrüßten Marbachs Bürgermeister Jan Trost und der MRV-Vorsitzende Stephan Keßler die Gäste. Für den WLSB sprach Hauptgeschäftsführer Markus Graßmann. Heike Breitenbücher, Vorsitzende des Landesruderverbands Baden-Württemberg und zugleich Mitglied ihres Heimatvereins MRV, stellte anschließend den Tagesablauf vor und koordinierte gemeinsam mit den örtlichen Partnern die verschiedenen Stationen.
Die Aktion fügte sich unmittelbar in das Nachhaltigkeitsverständnis des WLSB ein. Der Verband engagiert sich im Rahmen der N!-Charta Sport und versteht Nachhaltigkeit dabei nicht allein ökologisch. Ebenso gehören soziale und wirtschaftliche Aspekte sowie die Frage dazu, wie Sportvereine und Sportverbände ihre Verantwortung langfristig wahrnehmen können.
In Marbach wurde dieser Ansatz sehr praktisch. Gemeinsam mit dem städtischen Bauhof pflanzten WLSB-Mitarbeitende drei Bäume auf dem Gelände des Rudervereins. Die Mitarbeiter des Bauhofs hatten unter der Regie von Bauhofleiter Julian Grob die Pflanzung vorbereitet und leiteten die helfenden Hände vor Ort fachlich an.
Gepflanzt wurden ein Feld-Ahorn (Acer campestre ‘Elsrijk’), den der WLSB dem Marbacher Ruderverein spendete, eine von den MRV-Mitgliedern Elke und Dirk Weimann gestiftete Flatter-Ulme (Ulmus laevis ‘Lobel’) sowie eine Winter-Linde (Tilia cordata) von MRV-Mitglied Walter Otlinghaus.
Die drei Bäume stehen stellvertretend für den langfristigen Gedanken hinter der Aktion. Sie sollen Schatten spenden, das Kleinklima verbessern und das Vereinsgelände am Neckar bereichern. Zugleich befinden sie sich an einem Ort, der in den kommenden Jahren im Zuge der gemeinsamen Gartenschau von Marbach und Benningen 2033 eine besondere Entwicklung erfahren wird.
Bürgermeister Jan Trost dankte dem WLSB für dessen Engagement. Die Baumpflanzung mache deutlich, wie sich nachhaltige Stadtentwicklung und die Arbeit der örtlichen Vereine im Neckarraum miteinander verbinden lassen.
Danach ging es für die WLSB-Beschäftigten in mehreren Gruppen weiter. Zwischen Fußgängersteg und Schleuse wurde auf Marbacher und Benninger Neckarseite Müll gesammelt. Die gute Nachricht dabei: Die Uferbereiche waren deutlich sauberer als zunächst erwartet. Einige Säcke kamen trotzdem zusammen. Besonders häufig landeten Zigarettenkippen in den Sammelbehältern.
Auch der Neckar selbst wurde einbezogen. Der Kanu-Club machte sich mit Booten auf den Weg, um vom Wasser aus Müll einzusammeln. Später standen die Kanus für Schnupperfahrten bereit. Eine Kenterung am Steg sorgte dabei zwar kurzzeitig für nasse Kleidung, aber keineswegs für schlechte Stimmung. Kolleginnen und Kollegen halfen mit trockenen Kleidungsstücken aus – verbunden mit jener Portion freundschaftlichen Spotts, die bei einem gemeinsamen Aktionstag nicht fehlen darf.
Der Marbacher Ruderverein brachte den Gästen währenddessen seine Sportart näher. Auf dem Wasser konnten erste Ruderschläge ausprobiert werden, an Land sorgte eine Ergometer-Challenge für besonderen Ehrgeiz. Auf drei Geräten gingen die Teilnehmer jeweils zwei Minuten an ihre Grenzen. Vereinstrainer Nick Keefer gab die nötigen Hinweise, die Kolleginnen und Kollegen sorgten für lautstarke Unterstützung. Eine besonders gute Figur machte Wilhelm Rösch, WLSB-Geschäftsführer für den Kaufmännischen Bereich. Mit sichtbar guter Rudertechnik entschied er den internen Vergleich für sich.
Der Aktionstag verband den unmittelbaren Umwelteinsatz darüber hinaus mit einem Blick in die Zukunft. Stadtplaner Janus Baldermann führte interessierte WLSB-Mitarbeitende über Teile des künftigen Gartenschaugeländes. Die gemeinsame Gartenschau von Marbach und Benningen 2033 soll den Neckarraum dauerhaft weiterentwickeln und ökologisch aufwerten.
Für den organisierten Sport stellen sich dabei ganz konkrete Fragen. Mehrere Vereinsliegenschaften liegen unmittelbar im Umfeld der künftigen Gartenschauflächen. Entsprechend ging es bei dem Rundgang auch darum, die Vereine frühzeitig in Planungen einzubeziehen. Ebenso wichtig ist die Perspektive auf das Veranstaltungsjahr selbst: Vereine sollen sich einerseits mit ihren Angeboten einbringen können, andererseits muss gewährleistet bleiben, dass sie während der Gartenschau ihr Vereinsleben und ihren regulären Sportbetrieb aufrechterhalten und ihre Mitglieder weiterhin erreichen können.
Gerade dieser Austausch machte deutlich, dass Nachhaltigkeit im Sport weit über Müllsammeln oder Baumpflanzen hinausgeht. Es geht ebenso um Beteiligung, langfristige Nutzung von Sport- und Bewegungsräumen, Zusammenarbeit mit Kommunen und um die Zukunftsfähigkeit der Vereine.
Als die 61 Gäste am Ende wieder abreisten, war manches sofort sichtbar: gesäuberte Ufer, gemeinsame Erlebnisse im Boot und drei frisch gepflanzte Bäume.
Vieles andere soll erst noch wachsen. Genau darin liegt vielleicht das passendste Bild für Nachhaltigkeit im Sport: heute gemeinsam anpacken – damit auch morgen etwas davon bleibt.
Text: Heike Breitenbücher
Fotos: Heike Breitenbücher