Der MRV auf dem Canale Grande – ein unvergessliches Pfingstwochenende bei der Vogalonga

Wanderrudern   30. Mai 2024  

Einmal mit dem Ruderboot unter der Rialtobrücke durchfahren – für elf Ruderer aus Marbach und zwei Gäste aus Berlin und Düsseldorf wurde dieser Traum an Pfingsten wahr. 2.000 muskelbetriebene Boote mit 7.500 Teilnehmern aus aller Herren Länder, die rudernd oder paddelnd den 30 km langen Rundkurs durch Venedig und die Lagune zurücklegten – es war beeindruckend, zeitweise chaotisch, aber auf jeden Fall unvergesslich! Neben Ruderbooten und den traditionellen Gondeln waren Drachenboote, jede Menge Kanus und Kajaks und sogar ein paar Stand-Up-Paddler unterwegs.

Die Vogalonga wurde ursprünglich als Protest gegen die zunehmende Motorisierung der Kanäle in Venedig und die daraus resultierenden Schäden an den historischen Bauten durch Wellenschlag (die sogenannten „moto ondoso“) ins Leben gerufen. Das Ziel ist, das traditionelle Ruderbootfahren zu fördern und die Umwelt sowie das kulturelle Erbe Venedigs zu schützen. Heute ist die Vogalonga ein kulturelles und soziales Ereignis, das sowohl Einheimische als auch Touristen anzieht und die Stadt in eine festliche und farbenfrohe Atmosphäre taucht.

Unser Abenteuer begann bereits am Freitagmorgen, als wir uns mit drei Booten auf nach Italien machten. Die Fahrt über Fernpass und Brenner verlief trotz der beginnenden Pfingstferien erstaunlich reibungslos, so dass wir am frühen Abend auf dem Sattelplatz in Mestre ankamen. Dort herrschte schon reger Betrieb. Begeistert hat uns ein riesiger LKW mit Plane, der sich als Bootsanhänger de luxe herausstellte. Das Entladen war ein Schauspiel für sich – für die Choreografie hätten die belgischen Ruderer einen Preis verdient.

Den Samstagmorgen verbrachten wir damit, die Boote aufzuriggern und eine erste Probefahrt zu wagen. Nach einer kleinen Spritztour auf die Lagune sind wir nach Mestre hineingefahren und haben einige schöne Ecken entdeckt. Ein Boot hatte leider große Probleme mit den Rollsitzen, weshalb die Mannschaft die Zeit mit Reparaturarbeiten statt mit Rudern verbringen musste.

Am Nachmittag ging es das erste Mal nach Venedig, um die Startunterlagen abzuholen. Die vielen schönen Motive haben uns zu zahlreichen Fotostopps verführt, so dass wir uns am Ende sputen mussten, um das Organisationsbüro noch während der Öffnungs-zeiten zu erreichen. Der Tag klang bei einem schönen Essen auf dem Campo Santo Stefano aus.

Sonntagmorgen, kurz nach sieben: Noch etwas müde, aber voller Vorfreude ließen wir die Boote zu Wasser und machten uns auf den Weg über die Lagune nach Venedig. Begleitet von zahlreichen anderen muskelbetriebenen Booten fuhren wir das erste Mal durch den Canale Grande – ein Anblick, der zumindest mir ein seliges Dauergrinsen aufs Gesicht zauberte.

Als pünktlich um 9:00 Uhr die Kanone am Markusplatz zum Start donnerte, setzten sich die Boote unter dem Jubel der Teilnehmer in Bewegung. Die Route führte an den Inseln Vignole und Sant’Erasmo vorbei bis nach Burano, wo der Wendepunkt erreicht war. Bereits vor Burano waren zahlreiche Boote auf der zunehmend verzweifelten Suche nach einem Anlegeplatz für die dringend notwendige Clopause – nicht immer zur Freude der betroffenen Grundstücksbesitzer.

Der Rückweg nach Venedig führte nach längerer Fahrt über die Lagune durch den Kanal der Glasbläserinsel Murano. Bald erreichten wir Venedig und reihten uns in die Masse der Boote ein, die über den Canale di Cannaregio in die Stadt hineinfahren wollten. Das war nichts für schwache Nerven! Boot lag an Boot, die Ruder waren lang, manch‘ Nachbarboot verhakte sich und bei einigen lagen die Nerven blank. Dazwischen Kommandos brüllende Steuerleute – italienisch, deutsch, französisch, holländisch und englisch. Taucher im Wasser versuchten die Boote zu entwirren und wir wurden langsam, aber unaufhörlich gen Canale Grande weitergeschoben. Dort entspannte sich die Lage bis zum letzten Hindernis – der Rialtobrücke. Die Polizei dort pfiff sich die Seele aus dem Leib, um Ordnung ins Chaos zu bringen. Nach der Brücke erreichten wir bald das Ziel am Markusplatz, wo uns reichlich unromantisch die Medaillen und Teilnehmerurkunden ins Boot geworfen wurden. Der Rückweg führte durch Seitenkanäle zurück zur Lagune, die wir mit vielen anderen Booten überquerten und nach einem wunderschönen Tag hochzufrieden in Mestre ankamen.

Am Pfingstmontag nutzten wir das nach wie vor schöne Ruderwetter zu einer Fahrt, die uns von Mestre über die Lagune nach Burano und wieder zurückführte.

Der letzte Tag stand im Zeichen der Kultur. Das Wetter zeigte sich erstmals von seiner schlechten Seite, was unsere Laune jedoch nicht trüben konnte. Einige von uns besichtigten den Dogenpalast, andere erkundeten die Biennale und manche bummelten einfach nur durch die Stadt oder setzten sich zum Lesen an einen Kanal. Abends trafen wir uns alle in einem sehr netten Restaurant direkt an einem Kanal zum Abschlussessen. Bei wieder tollem Wetter genossen wir das Ambiente und das leckere Essen und ließen das Wochenende Revue passieren.

Die Vogalonga 2024 war ein unvergessliches Erlebnis, von dem wir sicherlich noch lange mit einem Leuchten in den Augen erzählen werden.