Goldrausch auf dem Elfrather See
Uncategorized 3. Juli 2026
Krefeld/Marbach. Mit einer außergewöhnlich starken Bilanz ist der Marbacher Ruderverein von der Deutschen Jahrgangsmeisterschaft 2026 in Krefeld zurückgekehrt. Auf dem Elfrather See trafen sich vom 25. bis 28. Juni die besten Nachwuchsruderinnen und -ruderer Deutschlands. Für den MRV wurde die Meisterschaft trotz großer Hitze, kurzfristiger Umstellungen und anspruchsvoller Bedingungen zu einem der erfolgreichsten nationalen Auftritte der vergangenen Jahre.
Trainer Nicolai Keefer sah den Schlüssel zum Erfolg vor allem im Zusammenhalt der Gruppe. Die Mannschaft habe „brutal zusammengehalten“, sich trotz Rückschlägen nicht entmutigen lassen und über Monate hart gearbeitet. Besonders die Grundlagen aus dem Wintertraining zahlten sich in Krefeld aus. Hinzu kamen schwierige äußere Bedingungen: Wegen der großen Hitze war es laut Keefer eine besondere Herausforderung, die Sportlerinnen und Sportler auf die Rennen vorzubereiten. Zur Regeneration suchte das Team unter anderem Abkühlung in klimatisierten Einkaufszentren in Krefeld, da die körperliche Belastung durch die Hitze sich summierte.



Besonders im Blickpunkt stand Mia-Sophie Walesch. Im Juniorinnen-A-Achter gewann Walesch als Steuerfrau Gold. Der Südteam-Achter galt gegen die favorisierte Konkurrenz aus Hamburg nicht als sicherer Titelkandidat und musste zudem kurzfristig krankheitsbedingt einen Ersatz integrieren. Dennoch zeigte die Mannschaft ein starkes Rennen und setzte sich knapp vor dem Team Nord-Ost durch. Für Walesch hatte der Erfolg noch eine weitere Bedeutung: Sie wurde im Anschluss für die U19-Weltmeisterschaft im Juniorinnen-A-Achter nominiert. Für Keefer ist diese Nominierung das Ergebnis einer konsequenten Entwicklung. Walesch habe über Jahre gezielt als Steuerfrau auf dieses Ziel hingearbeitet und von Beginn an eine klare Karriere auf dieser Position angestrebt.


Auch Moritz Bitz kehrte mit zwei Medaillen zurück. Im schweren Männer-B-Vierer ohne Steuermann ruderte er in einer Renngemeinschaft mit Minden, Cannstatt und Herdecke, die über den Bundesstützpunkt Männer Riemen Dortmund gebildet worden war. Nach einer starken Aufholjagd gewann das Boot Bronze – eine positive Überraschung in einem leistungsdichten Feld. Noch erfolgreicher verlief der Start im schweren Männer-B-Achter. Die Renngemeinschaft mit Berlin, Hamburg, Speyer, Dorsten, Münster und Allemania war als zweites DRV-Boot gesetzt, zeigte aber bereits im Vorlauf einen überzeugenden Auftritt. Im Finale bestätigte die Mannschaft diese Leistung und schlug das erste DRV-Boot deutlich. Für Bitz bedeutete das den Gewinn der Goldmedaille. Keefer bezeichnete gerade Bitz’ Sieg im Achter und Bronze im Vierer als besonders überraschende und starke Leistungen.
Weitere MRV-Athletinnen sammelten wertvolle Erfahrungen auf höchstem nationalem Niveau. Lotta Bitz trat nach einem kurzfristigen Ausfall als Ersatzfrau an und wechselte nach einer ganzen Saison im Riemenboot spontan in den Skullbereich. Im Einer schied sie über die Platzierung aus, im Juniorinnen-A-Doppelvierer erreichte sie in Renngemeinschaft mit Wiesbaden, Mainz und Bernkastel-Kues den achten Platz nach Zeit. Angesichts der Umstände war dies ein starkes Ergebnis.
Lea Endreß, Lina Spahr und Marie Kayser starteten mit einer Ruderin von der RG Heidelberg im Juniorinnen-A-Doppelvierer. Das junge Boot hatte sich über regionale Regatten entwickelt und war vor allem gemeldet worden, um Erfahrung auf nationaler Ebene zu sammeln. Mit Platz zehn nach Zeit und einem für die Crew starken Rennen erfüllte der Vierer dieses Ziel.
Gold gewann der Juniorinnen-B-Vierer mit Steuerfrau um Julika als Steuerfrau sowie Sophie Watzka, Johanna Stadtfeld und Helene Schnurr. Ergänzt wurde das Boot durch Hanna Fütterer aus Nürtingen. Nach einer Saison im Vierer ohne Steuerfrau war die DJM der erste Start im Vierer mit Steuerfrau. Wegen der Hitze wurde auf eine Bahnverteilung verzichtet, sodass direkt das A-Finale anstand. Dort dominierte die Crew das Feld deutlich. Für die drei Ruderinnen war es die erste DJM-Medaille, für Julika bereits das zweite DJM-Gold. Ihre Erfahrung als Steuerfrau konnte sie sichtbar einbringen.
Eine weitere Goldmedaille und damit den Meistertitel holte Walesch im Juniorinnen-B-Vierer mit Steuerfrau in Renngemeinschaft mit Heidelberg, Mannheim, Nürtingen und Ulm. Hatte das Boot bei der Regatta in Hamburg noch knapp gewonnen, dominierte es in Krefeld das A-Finale deutlich.
Aurelia erreichte im Juniorinnen-B-Einer ihr großes Ziel: das A-Finale. Nach einer willensstarken Qualifikation im Halbfinale belegte sie am Sonntag Rang sechs und hielt lange Anschluss an das Feld. Zum Abschluss sicherte sich der Juniorinnen-B-Achter mit Walesch als Steuerfrau sowie Schnurr, Stadtefeld, Walesch und Hammer. Nach Startproblemen lag die Renngemeinschaft mit Nürtingen und der Stuttgart RG zur Streckenhälfte noch auf Platz fünf, kämpfte sich aber auf den letzten 500 Metern bis auf Rang zwei vor.
Für die kommende Saison sieht Keefer die Aufgabe darin, den Anschluss an das nationale Niveau zu halten und die Entwicklung fortzusetzen. Die Athletinnen und Athleten sollen die Sprünge in die nächsten Altersklassen gut meistern. Für Moritz Bitz gehe es zudem darum, am Bundesstützpunkt in Dortmund einen sicheren Anschluss zu finden und sich dort einen festen Platz zu erarbeiten.
Text: Heike Breitenbücher
Fotos: MRV