Wiking-Sternfahrt

Wanderrudern  5. November 2018  

Eine kleine – eine sehr kleine – Delegation des Marbacher Rudervereins hat im Oktober an der Wiking-Sternfahrt in Berlin teilgenommen. Anlässlich des Neuköllner Ruderfestivals findet diese Sternfahrt jährlich statt und ist eine der größten in Berlin. Während in Neukölln die Kurz- und Langstreckenrennen um die Silbernen und Goldenen Riemen stattfinden, machen sich zeitgleich die Wanderruderer aller Vereine in Berlin und Umgebung auf, um per Boot nach Neukölln zu fahren.

Die Marbacher haben sich den Teilnehmern vom Ruderverein „Welle Poseidon“ am Wannsee angeschlossen; man kennt sich noch von der Fahrt auf der Oberen Weichsel. Das Bootshaus liegt idyllisch gelegen nur wenige Meter von der Liebermann-Villa und dem Haus der Wannseekonferenz entfernt.

Die Fahrt geht zunächst über den Wannsee: Um die frühe Stunde ist der See noch spiegelglatt, die Motorbootfahrer schlafen alle noch. Rund dem See werden mehr und mehr Ruderboote sichtbar, die alle ebenfalls unser Ziel haben. Über den Pichelssee gelangen wir in die Havel und folgen ihr bis Spandau. Dort biegen wir in die Spree ab, die nach der Schleuse Charlottenburg direkt am Schlossgarten mit bestem Blick auf Schloss Charlottenburg verläuft. In den Schleusen wird es eng. Dicht an dicht liegen die Ruderboote in der Schleusenkammer, wer Pech hat und keinen Platz mehr bekommt, muss draußen bleiben und auf die nächste Schleusung warten.

Da Ruderboote leider nicht durchs Regierungsviertel fahren dürfen, verlassen wir die Spree; nun geht es im Landwehrkanal weiter. Der Kanal unterquert ganz in der Nähe vom Bahnhof Zoo die Straße des 17. Juni und trennt im weiteren Verlauf Tiergarten und Zoologischen Garten. Bei der Mittagspause am Tiergartenufer schauen uns über den Kanal hinweg die Lamas im Zoo beim Essen zu. Gleich hier, am heutigen Rosa-Luxemburg-Steg, wurde 1919 Rosa Luxemburg in den Landwehrkanal geworfen.

Wir passieren den Bendlerblock, das Deutsche Technikmuseum, schließlich Kreuzberg. Der Kanal bietet eine interessante Abwechslung zwischen Natur und Stadt. In Treptow biegen wir in den Neuköllner Kanal ab. (Würden wir dem Landwehrkanal weiter folgen, so gelangten wir zurück in die Spree und hätten damit das verbotene Regierungsviertel umfahren.)

Die Rudergesellschaft Wiking Neukölln liegt an einem Wasserstraßenkreuz: Wir kommen von Norden über den Neuköllner Kanal, nach Westen führt der Teltowkanal Richtung Potsdam, nach Osten der Britzer Verbindungskanal in die Treptower Spree, und geradeaus gelangt man – ebenfalls über den Teltowkanal – in die Dahme, die sich in Köpenick mit der Spree vereinigt und über die Müggelspree die Weiterfahrt in den Großen Müggelsee ermöglichen würde. (Selbst die Berliner Ruderer scheinen zeitweilig uneins zu sein, was der richtige Weg ist, doch der Obmann macht den Eindruck, als würde er den Weg auch ohne Karte verlässlich kennen.)

In Neukölln angekommen ist die Regatta bereits vorüber; das ist auch gut so, denn die vielen Wanderruderer belegen nun mit langen Staus alle Stege. Eine Wiese, groß wie ein Fußballfeld, hinter dem Bootshaus reicht gerade so aus, um alle Wanderruderboote aufzunehmen. Bei hervorragender Bewirtung lassen wir den Tag ausklingen. Kurz bevor auf Disko-Betrieb umgestellt wird, machen wir uns auf den Rückweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wir übernachten nicht im Verein.

Am nächsten Tag geht es zurück. Alle wollen gleichzeitig los. Die Warteschlange vor dem Steg ist endlos. 20 Boote und mehr warten vor uns darauf, endlich ins Wasser zu kommen.

Zurück geht es über den Teltowkanal. Dieser ist weit weniger malerisch als tags zuvor der Landwehrkanal. Wildnis und Industrieanlagen wechseln sich ab. Wir kommen am Tempelhofer Hafen vorbei, auf der anderen Seite das Ullsteinhaus. In Stahnsdorf, direkt an der Schleuse Kleinmachnow, machen wir Mittag beim Griechen.

Der Teltowkanal endet im Griebnitzsee zwischen Wannsee und Potsdam. Wir halten uns rechts, es folgen Griebnitzkanal, Stölpchensee, Pohlesee und schließlich der Kleine Wannsee. Unter der Wannseebrücke hindurch gelangen wir zurück in den Großen Wannsee, wo wir nach insgesamt 65 km die Tour beenden.

Nächstes Jahr wieder!

Frank Hofmann